Wie lernen Kinder Sprache?

Etwa ab der 22. Schwangerschaftswoche kann der Fötus die ersten Laute hören, etwa Stimmen, Musik oder Umgebungsgeräusche. Und das ist die erste Grundlage, um eine Sprache zu lernen, denn gleich nach der Geburt erkennt das Baby die Stimmen seiner Eltern und auch deren Sprache. Wie unterschiedlich Babys auf die Muttersprache und eine Fremdsprache reagieren haben Wissenschaftler in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erforscht. Dabei hörten Neugeborene Sätze aus ihrer Muttersprache und Sätze in einer Fremdsprache. Wenn sie Sätze in einer fremden Sprache hörten, saugten sie stärker an ihrem Schnuller. Sie konnten also zwischen bekannten und unbekannten Reizen unterscheiden. Die Fähigkeit zwischen verschiedenen Sprachen zu unterscheiden verschwindet jedoch bereits im Alter von zwei Jahren. Die Kinder erreichen dann eine neue Entwicklungsstufe zum Spracherwerb. Um jedoch sprechen zu können, ist es wichtig, die eigene Stimme und die Stimmorgane zu trainieren. Zunächst schreien Babys nur, wenn sie Hunger oder Durst haben oder wenn sie sich nicht wohl fühlen. Mit sechs Wochen produzieren sie unwillkürlich Laute, sie gurren, jauchzen und gurgeln. Im Alter von sechs bis acht Monaten wiederholen sie immer wieder Silben wie bababa oder dududu.

Mit zehn bis zwölf Monaten sprechen sie die ersten Wörter und bis zum Ende des zweiten Lebensjahrs werden daraus zusammenhängende Wörter und Wortfolgen. Kinder vergleichen dabei sehr genau, wie andere Personen Wörter aussprechen und wie sie selbst bestimmte Begriffe, zum Beispiel „Haus“, aussprechen. Erst wenn beide deckungsgleich sind, werden sie im Gehirn abgespeichert. Das Gehirn eines kleinen Kindes wächst rasant, Nervenzellen werden ständig neu verschaltet und unzählige Reize aus der Umwelt verarbeitet. Eine Sprache zu lernen und Wörter so auszusprechen wie es andere Menschen machen ist dabei Präzisionsarbeit. Und nie wieder ist das menschliche Gehirn im Laufe des Lebens so schnell in der Lage, neue Erfahrungen aufzunehmen, einzuordnen und zu lernen.

Kinder verwenden zunächst viele Hauptwörter, um etwas mitzuteilen. „Papa, Saft“ kann dann bedeuten „Papa, gib mir bitte den Saft“ oder „Papa soll auch Saft trinken“. Im Alter von eineinhalb Jahren beginnen Kinder auch, Verben, Adjektive und Präpositionen zu verwenden. Oft werden dabei die Verben noch nicht konjugiert, also an das Subjekt angepasst. Deshalb sagen Kinder dann „Papa schlafen“ statt „Papa schläft“. Doch bis zum Alter von drei Jahren können sie kurze Sätze meist fehlerfrei sprechen. Der weitere Spracherwerb ist ein langer Prozess. Bis zum Kindergartenalter und in der Schule lernen Jungen und Mädchen längere Sätze zu bilden, Nebensätze und Begründungen einzufügen und die Regeln der Grammatik und Zeichensetzung zu verstehen und anzuwenden.

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